Das schöne Monster

Ursprünglich im südamerikanischen Amazonas-Gebiet beheimatet, ist die dickstielige Wasserhyazinthe in mehreren tropischen und subtropischen Regionen der Erde zu einer Plage geworden. Vor allem in Afrika und Asien verstopft die Eichhornia crassipes (so ihr lateinischer Name) ein Gewässer nach dem anderen. Im Viktoriasee, dem größten See des schwarzen Kontinents, ist der Wasserhyazinthen-Teppich an einigen Stellen so dicht, dass man zu Fuß zur nächsten Insel laufen kann. Die einheimische Tier- und Pflanzenwelt droht nachhaltigen Schaden zu nehmen.



Rings um den ostafrikanischen Lake Victoria ist diese schöne Schwimmpflanze zum Inbegriff von Unkraut geworden. Seitdem die "Wasserpest" in den Seen und Flüssen des Schwarzen Kontinents Fuß gefasst hat, breitet sie dort nahezu ungehindert aus. Mit einem Tempo, bei dem einem schwindelig werden könnte: In vier Monaten werden aus einer Pflanze 600, das entspricht 470 Tonnen Biomasse pro Hektar!
Beunruhigt sind mittlerweile sogar die Experten des amerikanischen Verteidigungsministeriums: Denn abgesehen von den ökologischen Verwüstungen, die Eichhornia crassipes - so der vollständige botanische Name - anrichtet, untergräbt das grüne Monster die wirtschaftliche Lebensgrundlage von an die 30 Millionen Menschen. Die zähen Stiele der "Wasserpest" blockieren immer wieder die Schrauben von Fischerbooten, und in Wasserkraftwerken verstopfen sie die Turbinen. Unmittelbar bedroht sind also Nahrungsmittel- und Energieversorgung. Am Ende könnte die politische Destablisierung der ganzen Region stehen, warnen die Beobachter des Pentagon.

Kein Wunder, dass die verantwortlichen Stellen der Anrainerstaaten fieberhaft damit beschäftigt sind, Pläne auszuarbeiten. Doch wie kann man der Wasserhyazinthenplage begegnen?
Neben dem manuellen oder maschinellen Ausjäten und dem Versprühen von Pestiziden werden neuerdings Wege der biologischen Bekämpfung diskutiert.
Prädestiniert hierfür scheint der Rüsselkäfer, ein nur wenige Zentimeter langes Insekt, das sich durch die sehr sympathische Angewohnheit auszeichnet, die Blütenknospen der Wasserhyazinthe anzubohren. Damit schwächt er die Pflanze und setzt ihrer Expansion ein Ende.
Unter den verschiedenen Tieren im Dienste der Unkrautbekämpfung ist der Rüsselkäfer bereits ein Veteran. Im Jahre 1980 konnte man mit seiner Hilfe den Lake Moon Darra im Norden des australischen Queensland vom Schwimmfarn (Salvinia molesta) befreien. Die damalige Situation ist durchaus mit der jetzigen in Afrika vergleichbar: hier wie da vermehrte sich ein aquatisches Gewächs explosionsartig, nachdem es vom Menschen in einen neuen Lebensraum eingeführt worden war. Der Triumph des Rüsselkäfers über den Schwimmfarn zählt zu den großen Erfolgen in der Geschichte des umweltverträglichen Ausmerzens von Unkraut.


Bei einem kleineren kenianischen See, der durch die Wasserpest schon kurz vor dem "Umkippen" stand, konnte man durch die gezielte Freisetzung von Rüsselkäfern schon eine gewisse Wirkungen erzielen. Dennoch ist Vorsicht geboten. Einige Biologen befällt ein mulmiges Gefühl, wenn sie daran denken, dass eine weitere fremde Art importiert werden soll. Zu zahlreich sind die Fälle, in denen solch gut gemeinte Eingriffe mehr Schaden anrichteten als sie Nutzen brachten.
Selbst wenn die biologische Unkrautbekämpfung besser ist als konventionelle Methoden, so führt auch sie Unwägbarkeiten mit sich. Rüsselkäfer einzuführen mag eine sauberere Lösung sein als das Verspritzen von Gift, unproblematisch ist sie nicht. Wieviel einfacher wäre alles, wenn wir dazu übergehen könnten, die Wasserhyazinthen nicht mehr als Unkraut, sondern als Rohstoff zu betrachten! Ist es nicht die Natur selbst, die uns hier das Vorbild liefert? In ihrem Kreislauf kommt Abfall so gut wie nicht vor, alles wird auf die ein oder andere Weise wiederverwertet.

Die Produktidee des Wasserhyazinthensessels der Projektwerkstatt weist in genau diese Richtung. Aus Unkraut mach Designersessel - und das nicht auf Kosten, sondern zu Gunsten der Umwelt.


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